Die Redaktion "DIE KITZINGER" erklärt Olympia
(Sonderaktion anlässlich der Olympischen Spiele 2008 in Peking)


Die steile Karriere einer Gewichtheberin
Ulrike Zehner hält seit November 2002 den Rekord

Kreisrekorde: Landkreis Kitzingen Eigentlich wirkt Ulrike Zehner ziemlich unscheinbar. Dunkler Wuschelkopf, Stupsnase und eine zierliche Figur stechen als erstes ins Auge. Doch in der jungen Frau, die kaum über 1,60 Meter groß ist, steckt ein echtes Kraftpaket. Seit April 2000 hält sie den unterfränkischen Gewichtheber-Rekord in ihrer Gewichtsklasse bis 48 Kilo - und ist damit auch im Landkreis die Nummer 1.

Dabei kam sie zum Gewichtheben wie so viele andere Sportler ihrer Art: Eine Ferienpassaktion lockte mit Fitness und Kraftsport. Da dachte sich die 15-jährige Judoka: Das könnte doch was für mich sein. Zum Programm gehörten unter anderem Übungen, die vor allem beim Gewichtheben durchgeführt werden und sie so richtig neugierig machten. "Als normaler Mensch kann man sich das ja gar nicht vorstellen, welche Lasten die Gewichtheber stemmen." Diesem Geheimnis wollte Ulrike Zehner nachgehen. Sie hängte ihren Judo-Anzug in den Schrank und holte die Hanteln heraus. Und sie blieb dabei.

Das alles geschah im Jahr 1992. Und danach erlebte die Neu-Gewichtheberin einen steilen Aufstieg. Schon ein Jahr später wurde sie erstmals Bayerische Jugendmeisterin und verteidigte ihren Titel in den folgenden beiden Jahren.

1994 startete sie außerdem bei den Deutschen Meisterschaften - und holte sich auf Anhieb die Goldmedaille. Vereins-
Ulrike Zehner beim Wettkampf für ihren Heimatverein AC 82 Schweinfurt. Ihre größten Erfolge feierte sie aber in der Zeit
beim KSV Kitzingen
und Auswahltrainer bescheinigten der Schweinfurterin ein großes Talent, das sie auch auf internationaler Ebene auf die vordersten Plätze katapultierte. 1995 kam sie beim Copenhagen Weightlifting Cup mit einer überzeugenden Leistung auf den zweiten Platz.

Spätestens jetzt war Ulrike Zehner in ihrer Sportart angekommen. Das Training bei ihrem Verein, dem AC 82 Schweinfurt, machte ihr viel Spaß, und die Erfolge stellten sich weiterhin ein. Heute sagt sie, dass die Förderung sicherlich hätte optimiert werden können. "Viele der jüngeren Heber gehen auf ein Sportinternat in Frankfurt, wo für die unterschiedlichsten Sportarten professionelle Einrichtungen vorhanden sind. "Da richtet sich der ganze Tagesablauf nach dem Sport", erklärt Ulrike Zehner und fügt etwas wehmütig hinzu: "Das hätte ich früher auch gerne gehabt."

In den ersten Jahren war ihr eigener Ehrgeiz ihre größte Triebfeder. Vor allem ihre Eltern musste sie erst von ihrem Können überzeugen. "Am Anfang waren sie schon sehr skeptisch", erinnert sie sich an Sprüche wie "als Mädchen macht man doch kein Gewichtheben" et cetera. Aber sie setzte sich durch - und machte ihre Eltern nicht selten richtig stolz.

In dieser frühen Phase ihrer Karriere suchte sie schließlich nach einem höherklassigen Verein und landete beim KSV in Kitzingen. Diesen Wechsel bezeichnet sie heute als eine der besten Entscheidungen, die sie jemals getroffen hat. Denn beim KSV hob sie in den Jahren 2002 bis 2004 nicht nur in der 2. Bundesliga, sondern sie lernte auch ihren Mann Torsten kennen.

Ein erster Glanzpunkt ihrer Karriere war sicherlich das Erringen der Deutschen Meisterschaft in der Seniorenklasse im Jahr 1999. Eigentlich noch bei den Junioren startberechtigt, ließ sie auch bei den Erwachsenen die gesammelte Konkurrenz hinter sich. Doch Ulrike Zehner steigerte sich noch weiter. Im November 2002 stellte sie schließlich den Rekord auf, der auf Bayernebene bis heute ungeschlagen ist. In der Gewichtsklasse bis 53 Kilo brachte sie es im Reißen auf 60 Kilo und im Stoßen auf unglaubliche 75 Kilo. Diese neuen Bestleistungen bedeuteten zu dieser Zeit auch den Deutschen Meistertitel.

Nach acht Jahren beim KSV ("Eine super Zeit") zollte die Ausbildung ihren Tribut. Für das intensive Training und die weiten Auswärtsfahrten blieb wenig Zeit. Zudem gab es die ein oder andere Ungereimtheit innerhalb der Mannschaft, so dass Ulrike Zehner beschloss, das Gewichtheben aufzugeben. Gesundheitliche Beschwerden waren auf jeden Fall nicht der Grund, betont sie. "Ich hatte eher Probleme, wenn ich nichts getan habe."

So ganz ohne Gewichtheben ging es also doch nicht, und so kehrte Ulrike Zehner wieder zurück zu ihren Wurzeln. Inzwischen hebt sie wieder beim AC 82 Schweinfurt in der Frankenliga. "Ich fühle mich dort einfach wohl", sagt sie. Seit geraumer Zeit bemüht sie sich auch wieder darum, an ihre Bestleistung heranzukommen. "Ich versuche schon, vielleicht noch zwei, drei Kilo draufzupacken", erklärt sie. Schließlich sei es dann schwieriger, den Rekord zu brechen.
Gewichtheberin Ulrike Zehner mit einer ihrer zahlreichen Medaillen Das wird wohl, zumindest auf Landkreis-Ebene, nicht so schnell passieren. Und so wird die Schweinfurterin, die in Würzburg arbeitet und in Volkach wohnt, wohl noch lange die Nummer 1 bleiben. *ljr*


Quelle: DIE KITZINGER - 23. August 2008
geschrieben von Julia Riegler
Foto: Privat (Sven Geisler)